Emojis gehören längst zur Alltagskommunikation. Kaum eine Nachricht, die nicht mit einem 😊, ❤️ oder 😂 verziert wird. Doch was viele nicht wissen: Manche dieser kleinen Symbole haben eine zweite, dunklere Bedeutung. Sie werden in rechtsextremen und verschwörungsideologischen Kreisen gezielt umgedeutet und instrumentalisiert, als versteckte Codes, als Erkennungszeichen oder manchmal auch als Mittel zur Manipulation.
Dieser Beitrag zeigt, wie ein Zeitungsartikel mich als Politiklehrerin zum Nachdenken brachte, wie daraus eine Unterrichtsidee entstand und schließlich eine Fortbildung bei fobizz wurde, die digitale Bildung und politische Aufklärung verbindet.
Wie ein Artikel, ein Aha-Moment und eine Idee zur Fortbildung wurden
Im Frühjahr 2024 las ich zufällig einen Online-Artikel in der Süddeutschen Zeitung mit dem Titel „Wenn das Emoji den Hitlergruß macht“. Als Politiklehrerin war ich sofort elektrisiert. Der Gedanke, dass Symbole wie das OK-Zeichen 👌 oder der Frosch 🐸 als „White Power“-Code oder Alt-Right-Symbol verwendet werden, ließ mich nicht mehr los. Was als Neugier begann, wurde schnell zu einer intensiven Recherche:
- Welche Emojis werden wie umgedeutet?
- Welche Gruppen nutzen sie?
- Und vor allem: Wie können Lehrkräfte ihre Lernenden dafür sensibilisieren?
Mir wurde schnell klar: Dieses Thema gehört in den Unterricht. Jugendliche sind täglich in sozialen Netzwerken und Messenger-Diensten unterwegs und dort begegnen ihnen nicht nur Katzenvideos und Memes, sondern mitunter auch subtil codierte Ideologie.
Warum das Thema in die Schule gehört
12- bis 19-Jährige verbringen durchschnittlich 224 Minuten pro Tag im Internet. Das sind fast vier Stunden!
Die JIM-Studie 2023 zeigt demnach, wie zentral digitale Räume im Alltag von Jugendlichen sind. YouTube, WhatsApp, TikTok und Instagram zählen dabei zu den meistgenutzten Plattformen. Gerade dort sind Emojis fester Bestandteil der Kommunikation und damit auch der Ort, an dem rechtsextreme oder verschwörungsideologische Umdeutungen besonders wirksam sein können.
Unterrichtsmaterial zum Thema Emojis
Als Lehrkräfte tragen wir Verantwortung, Lernende für solche Mechanismen zu sensibilisieren. Mit meinem Unterrichtsmaterial wollte ich zeigen, wie politische Bildung und Medienkompetenz praxisnah, alltagsbezogen und ohne moralischen Zeigefinger Hand in Hand gehen können.
Das Material enthält:
- eine Einführung in Emoji-Symbole und ihre Bedeutungen
- konkrete Beispiele für rechtsextreme Codes
- Diskussionsimpulse und Aufgaben zur kritischen Reflexion
- Leitfäden für Rollenspiele und Chat-Analysen